Die Verzögerung von Crew 9 ist aus mehreren Gründen für das Starliner-Dilemma relevant. Erstens gibt sie der NASA mehr Zeit, die Flugtauglichkeit von Starliner zu bestimmen. Es gibt jedoch noch einen anderen überraschenden Grund für die Verzögerung – die Notwendigkeit, die Flugsoftware von Starliner zu aktualisieren. Drei verschiedene, gut informierte Quellen haben gegenüber Ars bestätigt, dass die aktuelle Flugsoftware an Bord von Starliner kein automatisches Abdocken von der Raumstation und keinen automatischen Eintritt in die Erdatmosphäre durchführen kann.
Auf den ersten Blick erscheint dies absurd. Schließlich handelte es sich bei Boeings Orbital Flight Test 2-Mission im Mai 2022 um einen vollautomatischen Test des Starliner-Fahrzeugs. Während dieser Mission flog das Raumschiff ohne Besatzung an Bord zur Raumstation und kehrte sechs Tage später zur Erde zurück. Obwohl der Flugtest 2022 von einem anderen Starliner-Fahrzeug durchgeführt wurde, wurde dabei deutlich gezeigt, dass die Flugsoftware des Programms in der Lage ist, autonom anzudocken und zur Erde zurückzukehren. Boeing antwortete nicht auf eine Medienanfrage, warum diese Fähigkeit für den bemannten Flugtest entfernt wurde.
NASA befürchtet, dass Boeings Software-Update einen der beiden Andockpunkte für bemannte Fahrzeuge lahmlegen könnte auf der ISS. Wenn die Weltraumbehörde beschließen sollte, den Starliner autonom zur Erde zurückzubringen, muss sie absolut sicher sein, dass der Anschluss dadurch nicht funktionsunfähig wird. Es sollte beachtet werden, dass die Grundursache für die Ausfälle der Triebwerke des Starliners muss noch gefunden werden.